Freitag 27. November 2009
Hutba – Opferfest 2009

Verehrte Muslime,

jedes Jahr am zehnten Tag des Monats Zilhidscha feiern wird das Opferfest. Das Opfern ist ein Symbol (Schiâr) des Islams. Das, was es zu etwas Besonderem macht, sind die Opfer, die wir für Gott erbringen. Über die Zeichen Gottes steht im Koran folgendes: „So ist es. Und wer Allahs Symbole ehrt, beweist Herzensfrömmigkeit.“ (SureHadsch , [22:32]) Vielleicht kann man damit noch nicht viel anfangen. Doch wenn man bedenkt, dass wir im Türkischen zwei verwandte Wörter verwenden, nämlich „sair“/„ siir“, also Dichter/Gedicht und „suur“, was Bewusstsein oder Verantwortung bedeutet, eröffnet sich eine tiefer gehende Sichtweise. Im Koran werden die Kâba, der Stein „Hadschar al-Aswad“, der Platz Abrahams (as) sowie die Hügel Safâ und Marwa als Symbole bezeichnet. Was ist nun ein Symbol? Um das zu verstehen, müssen wir wissen, dass man mit Gedichten Gefühle verbindet und ein Dichter derjenige ist, der fühlt. Wenn uns die genannten Symbole in eine andere Gefühlswelt versetzen können, dann haben wir sie verstanden.

Verehrte Geschwister,

auch das Opfern ist ein Symbol. Wenn uns das Opfern die Hingabe Ibrahîms (as), den Gehorsam seines Sohnes Ismâîl (as) und die Opferbereitschaft Hadschars (ra) erkennen und fühlen lässt, dann haben wir verstanden, was es heißt, zu opfern. Noch vor einem Tag wäre das Schlachten eines Tieres eine einfache Handlung. Doch heute ist es ein Mittel sich dem Schöpfer zu nähern. So heißt es in einem Vers des Korans: „Und als sie zu euch kamen, sprachen sie »Wir glauben!« Doch sie kamen im Unglauben und gingen im Unglauben fort. Allah aber weiß sehr wohl, was sie verbergen. Und du siehst viele von ihnen in Sünde und Bosheit und im Essen des Verbotenen miteinander wetteifern. Wahrlich, ihr Tun ist schlimm.“ (Sure An’âm, [6:162][6:163]) Nicht das Fleisch des Tieres, sondern unser Bewusstsein, unsere Furcht vor dem Verlust der Nähe Gottes, unser Takwâ, machen das Opfern aus: „Und verkünde ihnen der Wahrheit gemäß die Geschichte der beiden Söhne Adams, als sie ein Opfer darbrachten. Angenommen wurde es von dem einen von ihnen, aber nicht von dem anderen. Er sprach: »Wahrlich, ich schlage dich tot!« (Der andere) sprach: »Siehe, Allah nimmt nur von den Gottesfürchtigen an.“ (SureMâida, [5:27]) Als dieser Vers herabgesandt wurde, soll Abdullah ibni Umar (ra) gesagt haben: „Ich weiß nicht, ob Gott die zwei Gebetsabschnitte annimmt, die ich verrichte. Das wäre mir lieber, als alles die Welt und alles, was sie enthält. Denn am Ende zählt nur der Takwâ.“

Verehrte Muslime,

Feste werden gemeinsam begangen. Deshalb sollten wir jede Gelegenheit nutzen, um unsere Glaubensgeschwister zum Opferfest zu beglückwünschen, unsere Freunde und Verwandte zu besuchen, die Zerstrittenen zu versöhnen und unsere Kinder auch mit ihrer entfernten Verwandtschaft bekannt machen.

Verehrte Geschwister,

begeht das Fest in aller Ruhe. Nicht die Hektik des Tages, sondern der Segen des Festes sollte vorherrschend sein. Lasst uns daran denken, dass wir auch dieses Jahr hunderttausende Menschen mit unseren Opfertierspenden erreicht haben. Das Blut unserer Opfertiere wird nicht im trockenen Boden Afrikas versiegen, sondern im Paradiesgarten Firdaws. Dank der Unterstützung von 400 Mitarbeitern und Helfern hat die IGMG wieder einen großen Dienst geleistet. Im Angesicht dieses Verdienstes können wir alle stolz auf uns sein. Solange es euch gibt, solange werden auch die Dienste der IGMG kein Ende finden. In diesem Sinne gratulieren wir all unseren Geschwistern zum Opferfest.

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Freitag 20. November 2009
Hutba – Solidarität

„Helft einander zur Rechtschaffenheit und Gottesfurcht und nicht zur Sünde und Feindschaft. Und fürchtet Allah; siehe, Allah ist streng im Strafen.“ (SureMâida , [5:2])

Verehrte Muslime,

der Islam ist die Religion (Dîn) des Beistandes und der Solidarität. Denn im Koran heißt es: „Verteilen etwa sie die Barmherzigkeit deines Herrn? Wir verteilen den Lebensunterhalt auf Erden unter ihnen und erhöhen die einen von ihnen im Rang über die anderen, so dass die einen den anderen von Nutzen sind. Doch deines Herrn Barmherzigkeit ist besser als das, was sie zusammentragen.“ (SureZuchrûf, [43:32])

Der Vers macht uns auf etwas aufmerksam, was wir tagtäglich sehen und erleben. Schon immer hat es Schwache und Mächtige, Arme und Reiche gegeben. Doch trotz dieser Differenz sind die Menschen voneinander abhängig. Ja, auch der Reiche bedarf des Armen. Niemand kann von sich behaupten, dass er von absolut niemandem abhängig ist. Es ist nämlich so, dass der wohlhabende Mensch nur reich werden konnte, weil andere für ihn arbeiten. Der Mensch ist also von seinen Mitmenschen abhängig, egal auf welche Art und Weise.

Verehrte Geschwister,

ein solches Verständnis macht es notwenig, dass wir uns gegenseitig in allen Lebensbereichen unterstützen. Aus diesem Grund ist es im Islam essentiell, seinen Mitmenschen zu helfen. Solidarität ist eine religiöse bzw. ethische Pflicht. Sowohl im Koran als auch in den Hadîthen stoßen wir auf zahlreiche Gebote, Empfehlungen und Beispiele, durch die zur gegenseitigen Unterstützung motiviert wird. „Helft einander zur Rechtschaffenheit und Gottesfurcht und nicht zur Sünde und Feindschaft. Und fürchtet Allah; siehe, Allah ist streng im Strafen.“ (SureMâida, [5:2]), so in einem Vers des Korans. In einem bekannten Ausspruch unseres Propheten heißt es „Die gebende Hand ist besser als die nehmende.“ (Buchârî, 3, 1010) – und das ist nur ein Beispiel von vielen. Wenn man bedenkt, dass angefangen von der Entrichtung der Zakât bis zu einem einfachen Lächeln als gute Tat und Beistand gewertet wird, kann man erkennen, welchen Umfang das solidarische Handeln im Islam hat. Und auch wenn einige dieser Verhaltensweisen verpflichtend sind (Zakât, Fitr-Abgabe usw.), handelt es sich bei den meisten um freiwillige Taten. Beispielsweise gibt es keine Grenze für die Sadaka. Abgesehen von finanziellen Verpflichtungen gegenüber anderen wird den Muslimen auch aufgetragen, Wahres zu sprechen und gut zu handeln. Es gilt sogar als gut, wenn ein Muslim zwar keine aktive Hilfe leistet, anderen aber auch nichts schlechtes sagt und zufügt.

Verehrte Muslime,

Solidarität ist ein Mittel des Schutzes und der Unterstützung der Armen dieser Welt. Die aufrichtige Hinwendung eines Menschen zu einem anderen führt zur Freundschaft und unterbindet Feindschaft und Hass.

Eine andere Form der Solidarität ist es, anderen Geld zu verleihen, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Diese Form der Unterstützung wird im Koran sehr gelobt: „Diejenigen, welche Almosen geben, Männer und Frauen, und die Allah ein schönes Darlehen geben, mehr als verdoppeln wird er es ihnen. Und sie werden einen würdigen Lohn empfangen.“ (SureHadîd, [57:18])

Das Opferfest ist eine globale Form der Solidarität. Deshalb möchten wir heute unsere Geschwister, die in der Lage und damit in der Pflicht stehen zu opfern, daran erinnern. Da in etwa einer Woche schon das Opferfest stattfindet, rufen wir unsere Geschwister auf, sich an unserer Opfertierkampagne zu beteiligen, um so Menschen auf der ganzen Welt erreichen zu können. Unser Ziel ist, mit eurer Hilfe, 100 000 Opfertiere auf der ganzen Welt zu verteilen. Möge Gott uns zu den Gläubigen (Mu’min) zählen, die ihren Mitmenschen helfen und ihre Geschwister nicht vergessen haben.

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Freitag 13. November 2009
Hutba – Was Gott missfällt: Verschwendung

„Und lass deine (Geber-)Hand nicht an deinen Hals gefesselt sein, aber öffne sie auch nicht so weit, dass du tadelnswürdig und verarmt dasitzt. “ (Sure Isrâ , [17:29])

Verehrte Muslime,

Verschwendung (Isrâf) ist es, wenn wir etwas für Ziele und Zwecke und in einer Art und Weise verwenden, die unsere Religion (Dîn) nicht gutheißt. Es gibt viele Arten von Verschwendung. Doch vor allem die Verschwendung von Geld, Besitz und Zeit sind jene Arten von Isrâf, die uns alle angehen. So wie verantwortungsbewusster Umgang mit Zeit und Geld nicht als Geiz angesehen werden kann, so ist auch Verschwendung nicht als Großzügigkeit zu betrachten. Der mittlere Weg ist der ausgewogene Umgang mit dem von Gott Gegebenen. Geiz und Verschwendung sind die Über- bzw. Unterschreitung dessen, was im Islam als ausgewogen gilt. Gott hat uns beides verboten, wie der folgende Vers deutlich macht: „Und lass deine (Geber-)Hand nicht an deinen Hals gefesselt sein, aber öffne sie auch nicht so weit, dass du tadelnswürdig und verarmt dasitzt.“ (SureIsrâ, [17:29])

Unsere Religion ist eine Religion der Ausgewogenheit. Gott gebietet uns nicht verschwenderisch zu sein, sei es hinsichtlich des Essens und Trinkens und der Kleidung; er empfiehlt uns vielmehr unser Geld, unseren Besitz, unsere Zeit und unsere Kräfte seinem Willen entsprechend einzusetzen. Im Koran heißt es: „… Esst und trinkt, aber schweift nicht aus. Siehe, er liebt die Ausschweifenden nicht.“(Sure Âraf, [7:31]) und unser Prophet Muhammad (saw) sagte: „Esst, trinkt und spendet, ohne Stolz und Verschwendung“(Nasâi, Zakât; 66,5,79)

Verehrte Geschwister,

mit Besorgnis müssen wir aber feststellen, dass in unserer Zeit die Verschwendung überhand gewonnen hat, insbesondere in unserer Gesellschaft. Überall kann man auf Beispiele für verschwenderisches Handeln treffen: Verschwendung beim Essen, der Kleidung sowie Zeitverschwendung. Dabei gibt es Millionen von Menschen auf der Erde, die in größter Armut leben. Viele dieser Menschen sind auf Nahrungsmittel angewiesen, die andere in den Abfall werfen. Dabei würde all das, was wir an Nahrungsmitteln, Wasser, Geld oder Energie verschwenden, ausreichen, um diesen Menschen ein würdigeres Leben zu ermöglichen. Von unseren Geschwistern, die im Rahmen der Opfertierkampagne in zahlreiche Länder der Welt reisen, wird uns von Menschen berichtet, die mit ihrem Vieh denselben Raum teilen und manchmal nichts mehr zu essen haben, als einige gekochte Blätter. Dabei könnte die Not in kurzer Zeit gelindert werden. Unsere Religion, die uns lehrt sogar ein paar Brotkrümel aufzuheben, die beim Essen auf den Boden fallen, zeigt uns, wie wir ein verantwortungsbewusstes Leben ohne Verschwendung führen können.

Verehrte Muslime,

Verschwendung gleicht einer Krankheit, von der es sich zu befreien gilt. Der Weg der Heilung führt über die Befolgung der weitreichenden Empfehlungen und Gebote des Islams. Beispielsweise sollten folgende Aussprüche des Gesandten Gottes nicht an uns vorbeigehen: Eines Tages kam der Prophet zu Sad (ra), der für die Gebetswaschung (Wudû) mehr Wasser verwendete als nötig wäre. Er fragte: „Was soll diese Verschwendung?“ Sad (ra): „Kann man denn auch bei der Gebetswaschung verschwenden?“ Der Gesandte Gottes gab folgendes zur Antwort: „Ja, auch wenn du dich am Ufer eines Flusses befindest, verschwende nicht. “(Ibni Mâdscha, Tahâra, 48,1; Ahmad bin Hanbal, 2, 221)

Wenn wir uns all dies vor Augen halten, gebührt uns nichts anderes, als uns von allem fernzuhalten, das dem Willen Gottes zuwider ist. Um uns vor Verschwendung zu hüten, müssen wir ein Leben gemäß dem Koran und der Sunna führen. Uns gebührt es, die Gaben Gottes entsprechend dem Vorbild des Propheten zu wertschätzen und dankbar zu sein. Möge uns Gott dabei helfen.

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Freitag 06. November 2009
Hutba – Gesundheit und Hygiene

„Gott hat keine Krankheit geschickt, für die es keine Heilung gäbe. O ihr Diener Gottes, sucht Lösungen für eure Probleme.“ (Tirmizî, 4/383, Hadîth Nr. 2038)

Verehrte Muslime,

unser Prophet Muhammad (saw) rät uns „Wertschätzt eure Gesundheit, noch bevor ihr krank werdet.“ (Fath al-Kabîr, 1/203) Denn eine Voraussetzung, um sich gegen Krankheiten zu schützen, ist das Bewusstsein um den Wert der Gesundheit. Auch der Schutz der Gesundheit gehört zu den zu schützenden Dingen im Islam. Sich vor Krankheiten zu schützen, ist quasi eine religiöse Pflicht. Denn um seinen Pflichten als Muslim in bester Weise nachkommen zu können, sollte man gesund sein. In einem anderen Hadîth heißt es diesbezüglich: „Ein kräftiger Gläubige ist besser als ein schwacher.“ (Muslim, Hadîth Nr. 2664) Folglich soll der Muslime also auf seine körperliche und geistige Gesundheit achten.

Verehrte Geschwister,

Gesundheit als auch Krankheit kommen von Gott. Das bedeutet aber nicht, dass man sich seinem Schicksal hingeben und nichts unternehmen soll. Wie in dem Hadîth hingewiesen wird, ist es notwendig, gegen etwaige Krankheiten vorzubeugen. Hierzu gehören die einfachsten Dinge wie Körperhygiene, saubere Kleidung und Umgebung, gesunde Ernährung und ausreichende Erholung. Die wichtigste Vorbeugung gegen Krankheiten ist es sicherlich, dass alles, womit wir in Kontakt kommen – angefangen vom Essen bis zur Wohnung – sauber ist. Unsere Religion (Dîn) legt großen Wert auf Hygiene und sieht Sauberkeit sogar als Erfordernis des Glaubens (Îmân) an. Die Waschung (Wudû) vor dem Gebet (Salâh), welche verpflichtend ist, das Waschen der Hände vor und nach dem Essen, was zur Sunna Muhammads (saw) gehört, sind nur einige Beispiele für die praktische Umsetzung des eingangs zitierten Hadîth.

Verehrte Muslime,

eine andere Möglichkeit der Vorsorge ist es, die notwendigen Impfungen vornehmen zu lassen. Der Gesandte Gottes sagte: „Gott hat keine Krankheit geschickt, für die es keine Heilung gäbe. O ihr Diener Gottes, sucht Lösungen für eure Probleme.“ (Tirmizî, 4/383, Hadîth Nr. 2038) Mit diesem Ausspruch macht uns der Prophet die Heilung durch Medizin aufmerksam. Andererseits weist er auch auf die Verhinderung der Ausbreitung von Krankheiten hin, indem er sagte: „Wenn ihr hört, dass an einem Ort die Pest ausgebrochen ist, nähert euch diesem Ort nicht. Wenn ihr euch an einem Ort befindet, an dem die Pest ausgebrochen ist, dann verlasst ihn nicht.“(Tadschrîdi Sarîh-Übersetzung, 9/312)

Verehrte Muslime,

wenn wir diese Hadîthe im Licht der aktuellen Lage betrachten, kommen wir nicht umhin, die erforderlichen Maßnahmen angesichts der Grippeinfektion zu ergreifen. Dazu gehört es, mehr als sonst auf Hygiene zu achten. An oberster Stelle dieser Maßnahmen, steht die Empfehlung, sich oft die Hände zu waschen. Es ist auch nicht immer erforderlich, sich zur Begrüßung und Verabschiedung die Hand zu geben oder zu Umarmen, obwohl dies zur Sunna des Propheten gehört und unter normalen Umständen verdienstvoll ist. Wenn jemand husten oder niesen muss, sollte verhindert werden, dass die Bazillen nicht an andere Menschen weitergegeben werden, die sich im selben Raum aufhalten. Vor allem unsere Geschwister, die sich auf die Reise nach Mekka und Medina machen, sollten dort, wo es erforderlich ist Mundschutzmasken tragen und mehr als sonst auf Hygiene achten.

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Freitag 30. Oktober 2009
Hutba – Mit aufrichtigem Glauben ins Paradies

Eine Handlung kann vielleicht von allen anderen Menschen anerkannt oder bewundert werden. Doch ist es eine Voraussetzung der Handlung und des Gottesdienstes, dass sie ausschließlich verrichtet werden, um Gottes Wohlgefallen zu erlangen.

Verehrte Muslime,

über die Aufrichtigkeit im Glauben (Ichlâs) heißt es im Koran: „… Außer für die, welche umkehren und sich bessern und ihre Zuflucht zu Allah nehmen und lauteren Glaubens an Allah sind; diese gehören zu den Gläubigen und wahrlich, Allah wird den Gläubigen gewaltigen Lohn geben.“ [4:146] Unser Prophet, der Gesandte Gottes, sagte folgendes und erklärte damit auch den zitierten Vers: „Die Taten werden gemäß den Absichten bewertet. Jeder wird für seine Taten entsprechend seiner Absicht belohnt. Wessen Absicht es ist, zu Gott und seinen Gesandten zu gelangen, also zu ihnen auszuwandern, wird für die Auswanderung zu Gott und seinem Gesandten belohnt. Wer sich für etwas Weltliches oder zwecks Heirat mit einer Frau auf den Weg gemacht hat, der wird gemäß dem belohnt, zu dem auswandert.“ (Buhârî, Bad‘ul Wahij) Ein anderer Hadîth lautet: „Sei in der Religion aufrichtig, damit dir einige wenige Taten genügen.“ (Ibni Kathîr, Auslegung des 146. Verses der Sure Nisâ) Der glaubende und aufrichtige Mensch wendet sich stets Gott zu und richtet seine Liebe nur auf ihn.

Verehrte Geschwister,

die richtige Absicht (Nijja) zu fassen, bedeutet, etwas nur für Gott zu tun. Die Aufrichtigkeit (Ichlâs) besteht darin, der Absicht auch Folge zu leisten. Da die Worte und Handlungsweisen oft an die Absicht gebunden sind, kann manchmal auch eine gute Absicht als Gottesdienst (Ibâda) gelten. Dass die Taten entsprechend unseren Absichten bewertet werden, gilt für jene Handlungen, die wir mit unseren Organen ausführen. Demnach kann es als Gottesdienst angesehen werden, einen Stein, der auf der Straße liegt, zu beseitigen, mit der Absicht, damit einen eventuellen Schaden zu vermeiden. Genauso verhält es sich, wenn man sich unrechtmäßig Besitz aneignen könnte, es aber aufgrund der Gottesfurcht unterlässt. Erst wenn die Gedanken in guter Absicht gefasst werden, sind diese bei Gott wertvoll. Eine gute Absicht auszusprechen, ohne dass diese zuvor im Herzen gefasst wurde, ist bedeutungslos. Der KalifUmar ibni Abdul Azîz sagte zu seinem Sohn Sâlim: „Eines solltest du wissen: Die Hilfe Gottes an seinen Diener ist entsprechend der Absicht des Dieners. Wessen Absicht vollständig ist, dem hilft Gott in vollem Umfang. Je schwächer seine Absicht ist, umso weniger ist auch Gottes Hilfe.“

Verehrte Muslime,

dass jeder für seine Taten entsprechend seiner Absicht belohnt wird, bedeutet folgendes: Eine Handlung kann vielleicht von allen anderen Menschen anerkannt oder sogar bewundert werden. Doch ist es eine Voraussetzung der Handlung und des Gottesdienstes, dass sie ausschließlich verrichtet werden, um Gottes Wohlgefallen zu erlangen. Eine Handlung, mit der der Respekt und die Zuneigung der Menschen oder der Menschen und gleichzeitig Gottes Wohlgefallen erlangt werden soll, ist bei Gott wertlos. Das, was unsere Taten und Gottesdienste bei Gott wertvoll macht, ist also die aufrichtige Absicht, ausschließlich sein Wohlgefallen gewinnen zu wollen. Beispielsweise kommt es der Beigesellung (Schirk) nahe, das Gebet absichtlich öffentlich zu verrichten oder die Zakât in Anwesenheit anderer zu entrichten, damit dies von den Menschen gesehen und anerkannt werden. Wenn die Absicht jedoch darin besteht, als Vorbild zu dienen und andere dazu zu motivieren, so ist dies eine verdienstvolle Handlung.

Verehrte Geschwister,

diesen kleinen aber sehr wichtigen Unterschied müssen wir stets bedenken. All unsere Handlungen müssen das Ziel haben, Gottes Zufriedenheit zu gewinnen. Gott, der absolut Gerechte, wird uns im Jenseits das geben, was wir im Diesseits verdient haben. Dies wird im Koran deutlich gesagt: „Wer für das Jenseits säen will, dem wollen wir seine Ernte mehren. Und wer für die Ernte der Welt säen will, dem geben wir von ihr, doch am Jenseits soll er keinen Anteil haben.“ [42:20] Um in das Paradies (Dschanna) zu gelangen, sollten wir also stets unsere Absicht hinterfragen. Unsere Worte und Handlungen sollten gemäß unseren Absichten sein.

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