03.10.2005 | Nachrichten>International
US-Diplomaten entführen Imam
Die Mailänder Justiz ermittelt gegen 22 CIA-Agenten, die laut Zeitungsberichten einen Imam entführt und gefoltert haben sollen

Die Mailänder Justiz hat gegen eine US-Diplomatin wegen des Verdachts auf Freiheitsberaubung einen Haftbefehl erlassen. Der US-Diplomatin, die früher bei der amerikanischen Botschaft in Rom beschäftigt war, wird vorgeworfen an der Entführung des Imam Abu Omar von Mailand nach Ägypten beteiligt gewesen zu sein. Insgesamt ermittelt Italien gegen 22 CIA-Agenten.

Zeitungsberichten zu Folge wurde der Imam Abu Omar zum Verhör von Italien über Deutschland nach Ägypten entführt und dort gefoltert. An dem Verhör in Ägypten soll auch der damalige CIA-Stationschef von Mailand, Robert Seldon Lady, teilgenommen haben. Bei einer Hausdurchsuchung in seiner Wohnung in Italien sollen Hinweise auf eine Reise nach Ägypten und Fotos des Entführten gefunden worden sein, berichtete die „Los AngelesTimes“.

Zwar wurde gegen Abu Omar bereits in Italien wegen Terrorismus ermittelt, jedoch gab es kein Grund für eine Anklage oder eine Festnahme.

Während die amerikanische Seite immer wieder betont, die zuständigen italienischen Behörden vor der Aktion informiert zu haben, hieß es in einer Presseerklärung von Italiens Premier Silvio Berlusconi: „Es gab keine Kontakte, keine Gespräche und keinen Informationsaustausch vor den Geschehnissen in Mailand, für die niemals eine Autorisierung erfragt oder gegeben wurde.“

Auch die deutsche Justiz verfolge weiterhin den Fall, da der Imam bei der Entführung im Februar 2003 über den Militärflughafen Ramstein nach Ägypten verschleppt worden sein soll. (hv)

nach oben zurück