Freitag 26. Oktober 2007
Muslime in Deutschland erleiden das gleiche Schicksal wie die Juden
Am
Mittwoch zeichnete der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan
J. Kramer, in einem Vortrag über die "Jüdische Zuwanderung nach
Deutschland" eine Parallele zu der Situation der Muslime.
Kramer sagte in einem Vortrag vor der Brandenburger Juristischen Gesellschaft, dass ebenso wie den zugewanderten Juden aus den Ostblockstaaten, auch Muslimen die Integration erschwert oder verweigert werde, da sie nicht als „deutsche Bürger unter deutschen Bürgern“ akzeptiert würden. Dies sei jedoch ein Fehlschluss. Genauso wie er seien seine Glaubensbrüder in erster Linie Deutsche und nicht, wie oft angenommen, Israelis.
Kramer kritisierte in seiner Rede auch die Zuwanderungspolitik der Bundesrepublik. Die Qualifikationen von Fachkräften aus dem Ausland würden ständig angezweifelt. Gehe das so weiter, brauche die Bundesregierung kein Zuwanderungsgesetz mehr. "Die Menschen kommen dann von selbst nicht mehr her", sagte Kramer. (sa)
Mittwoch 24. Oktober 2007
Presseerklärung des Rats der türkeistämmigen Staatsbürger
in Deutschland (RTS) zu den Terroranschlägen in der Türkei

Am 20.10.2007 wurden in der türkischen Provinz Hakkari erneut 13 Soldaten und 16 Zivilisten Opfer eines terroristischen Angriffs. Wir verurteilen diesen Akt des Terrors und drücken den Angehörigen der Verstorbenen unser Mitgefühl aus.
Es besteht weltweit ein Konsens darüber, dass Gewalt ausschließlich für demokratische Staaten ein Mittel der Konflikt- und Problemlösung sein darf. Selbstverständlich haben alle Menschen die legitime Möglichkeit, ihr Anliegen öffentlich vorzutragen und dafür Unterstützung oder Mitstreiter zu finden. Aber eben nicht im Rückgriff auf Gewalt. Aus diesem Grund wird auch die Anwendung von terroristischer Gewalt im Nahen Osten oder beispielsweise in Spanien immer als ungerechtfertigter terroristischer Angriff bewertet.
Zurzeit beobachten wir jedoch besonders in der deutschen Medienberichterstattung, dass – obwohl die PKK in den USA, der EU und in Deutschland als terroristische Organisation gilt – deren Angriffe als Freiheitskampf deklariert werden. Damit erhalten diese gewaltsamen Angriffe eine Legitimierung. Dadurch könnte bei einigen Menschen der Eindruck entstehen, dass der Einsatz von Gewalt kein Staatsmonopol sei, sondern auch zur Durchsetzung der eigenen Interessen genutzt werden könne. Diesbezüglich brauchen wir eine klare Einschätzung, einhergehend mit einer klaren Beschreibung, damit weltweit die Gewalt nie ein Mittel für alle werden wird. Denn auch in Deutschland könnte das negative Auswirkungen haben, beispielsweise im Hinblick auf den bestehenden Rechtsradikalismus und die latente Terrorgefahr.
Selbstverständlich muss der Türkische Staat den bestehenden Konflikt lösen. Hier braucht die Türkei diesbezüglich eine klare Aussage der Weltgemeinschaft, besonders von den USA und der EU sowie deren Unterstützung, wie umgekehrt auch die Türkei bei anderen terroristischen Gewaltanwendungen Position bezogen und ihre Unterstützungsbereitschaft erklärt hat. Eine Niederlage der Türkei gegen den Terror durch Gewaltanwendung könnte auch anderswo die Hoffnung wecken, Gewalt als Handlungsmöglichkeit zu nehmen, um persönliche oder politische Ziele zu verfolgen. Gerade jetzt in der globalen Gesellschaft, wo in der ganzen Welt ethnische Minderheiten leben, die sich zeitweise auch unterdrückt fühlen, gewinnt eine gemeinsame Vorgehensweise gegen Gewaltanwendung eine wichtige Rolle. Diesbezüglich sollte keine Nachgiebigkeit gezeigt werden. Einigkeit sollte hinsichtlich des Wunschs nach friedlichem Zusammenleben aller bestehen.
Dr. Yasar Bilgin
- Rat der Türkischstämmigen Staatsbürger in Deutschland -
- Bundesvorsitzender -
Kenan Kolat
- Türkische Gemeinde in Deutschland -
- Bundesvorsitzender -
Dienstag 23. Oktober 2007
„Nicht die Angst vor dem Islam schüren“
Der
Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands
(VELKD), Johannes Friedrich, sagte am Sonntag in Goslar, dass die lutherischen
Kirchen aktiv daran mitwirken müssen, „dass Muslime auch
bei uns ihren Glauben leben können“.
Auf der VELKD-Generalsynode in Goslar sagte Friedrich, dass die Religionsfreiheit zu den Menschenrechten gehöre, weshalb es völlig selbstverständlich sei, dass auch in Deutschland Moscheen gebaut werden müssen und dürfen. „Wir wollen mit unseren muslimischen Nachbarn in Frieden und guter Nachbarschaft zusammenleben.“ Der Fundamentalismus finde dort einen Nährboden, wo Menschen den Eindruck hätten, dass ihnen und ihren Überzeugungen das notwendige Maß an Anerkennung versagt bleibe.
Friedrich warnte zudem vor rechtsradikalen Gruppen, die den Protest gegen Moscheebauten für sich nutzen wollten. Der Bischof machte deutlich, dass sich die evangelisch-lutherischen Kirchen „nicht von jenen instrumentalisieren lassen wollen, die Angst vor Muslimen schüren“. Darunter seien leider auch Christen. Dagegen müsse man protestieren. Ihm sei eine Moschee lieber, „die ich sehe und kenne als eine solche in einem Hinterhof, deren Nutzer keinen Kontakt mit mir als Christen haben wollen und bei denen man nicht weiß, was dort geschieht“. Die örtliche Lage und Größe einer Moschee sei hingegen eine Frage des Baurechts.
Bischof Friedrich verteidigte ferner die Islam-Handreichung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), „Klarheit und gute Nachbarschaft“. Er warnte jedoch davor, die umstrittene Handreichung für eine Polemik gegen Muslime zu missbrauchen. Die Klarheit im Verhältnis zu anderen Religionen sei nur dann hilfreich, wenn sie nicht unterschwellig einer den Dialog verhindernden Abgrenzung diene, sondern sich mit dem Element des Willens zur nachbarschaftlichen Anerkennung verbinde.
Die VELKD repräsentiert etwa 10,4 Millionen lutherische Christen in der Bundesrepublik Deutschland. Die Generalsynode setzt sich aus insgesamt 62 Mitgliedern zusammen. (sa)
Montag 22. Oktober 2007
Studie widerlegt Negativ-Klischees über die Einwanderer
Der
Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen
und Jugend, Gerd Hoofe, stellte in Berlin die Ergebnisse der SINUS-Milieustudie
„Lebenswelten von Migranten“ vor.
Getragen von einem Gremium aus Politik, Medien und Verbänden hatte Sinus Sociovision eine qualitativ-psychologische Studie zu den Lebenswelten von Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland durchgeführt. Ziel der Studie sei ein unverfälschtes Kennenlernen und Verstehen der Alltagswelt von Migranten, ihrer Wertorientierungen, Lebensziele, Wünsche und Zukunftserwartungen gewesen.
Die Studie zeigt ein facettenreiches Bild der Migranten-Population auf und widerlegt viele verbreitete Negativ-Klischees über die Einwanderer. Die meisten Migranten seien um Integration bemüht und würden sich als Angehörige der multikulturellen deutschen Gesellschaft verstehen. "Die meisten befragten Migranten und Migrantinnen wollen sich in die Gesellschaft einfügen, legen aber Wert darauf, ihre kulturellen Wurzeln nicht zu vergessen", stellte Hoofe in der Pressekonferenz fest. Vor allem die jüngeren Befragten der zweiten und dritten Generation hätten ein bi-kulturelles Selbstbewusstsein und würden ihren Migrationshintergrund und die Mehrsprachigkeit als Bereicherung für die Gesellschaft sehen.
Die Studie zeigt nach Aussage Hoofes auch, dass die Integration bei höherem Bildungsstand von Einwanderern leichter gelingt. Die Befragten beklagten sich ferner über die mangelnde Integrationsbereitschaft der Mehrheitsgesellschaft und ihr geringes Interesse an den neuen Mitbürgern. (sa)
Freitag 12. Oktober 2007
Moscheen als Brücken
Es
wird überliefert, dass der Gesandte Gottes Muhammad (saw) folgendes sagte:
„Ein Gläubiger, der sich unter die Menschen mischt und Geduld
für deren Probleme aufbringt, ist besser als derjenige, der sich von den
Menschen abschottet und keine Geduld für ihre Probleme zeigt.“
Im Geiste dieses Ausspruchs bemühen sich Muslime der Gesellschaft, dessen Teil sie sind, von Nutzen zu sein, sich für die Probleme der Gesellschaft einzusetzen und kein zurückgezogenes Leben zu führen. Dies ist auch ein Grund dafür, dass jedes Jahr der Tag der offenen Moschee stattfindet, bei dem man vieles über die Muslime, den Islam erfahren und mit Muslimen offen über alles sprechen kann.
Zum elften Mal fand diese Veranstaltung in diesem Jahr in Deutschland statt. Unter dem Motto „Moscheen – Brücken für eine gemeinsame Zukunft“ riefen die vier großen muslimischen Dachverbände – der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland, der Zentralrat der Muslime in Deutschland, die Türkisch Islamische Union und der Verein Islamischer Kulturzentren –, die sich vor einem halben Jahr zum Koordinierungsrat der Muslime (KRM) zusammengeschlossen hatten, diesen Tag aus und luden die deutsche Bevölkerung ein, die Moscheen zu besuchen und sich selbst ein Bild von der Moschee und ihren Aktivitäten zu machen.
Mit dieser Aktion an der sich jedes Jahr immer mehr Moscheen beteiligen, möchten die Muslime die Moscheen öffnen und für jeden zugängig machen, der sich fragt, was sich in einer Moschee abspielt. Sie wollen zeigen, dass, obwohl es diese seit über dreißig Jahren schon in Deutschland gibt, es keinen Grund gibt, sich über neu entstehende Moscheen Sorgen zu machen.
In dem Flyer, den der KRM anlässlich des Tages der offenen Moschee erstellt hat, heißt es dazu: „Es gibt seit ca. 30 Jahren Moscheen in fast allen Stadtteilen Deutschlands. Diese waren nur nicht als solche erkennbar. Sie befanden sich in Hinterhöfen und Fabrikhallen. Sie waren nur unzureichend ausgestattet, als Behelfsbauten angelegt, von einer Generation, die nicht in Deutschland bleiben wollte. Gab es bislang Grund zur Sorge? – Wohl kaum. Warum sollte es nun anders sein?“
Der Besucherandrang hielt sich im Vergleich zu den letzten Jahren zwar in Grenzen, doch ist bemerkenswert, dass die Mehrzahl der Besucher zum ersten Mal an einem solchen Programm teilnimmt. Dies verdeutlicht das nicht nachlassende Interesse der Bevölkerung am Islam und dem muslimischen Leben. Man will sich sein eigenes Bild machen und sich seine eigene Meinung bilden. So manch einer hat nach dem Moscheebesuch ein völlig anderes Bild von Muslimen und Moscheen gewonnen, als es ihm tagtäglich von den Medien aufgezwungen wird.
Moscheen, als Orte des Gebets, der Kultur und Erziehung spielen eine zentrale Rolle im Leben jedes Muslims. So auch im Monat Ramadan, anlässlich dessen viele Besucher auf das Fasten und dessen Hintergründe zu sprechen: „Warum fasten die Muslime überhaupt?“, „Ist das nicht anstrengend?“ oder „Was für Eigenheiten hat der Ramadan noch?“ waren die üblichen Fragen, die von Seiten der Imame und junger Gesprächspartner beantwortet wurden.
Zum Abschluss wurden die Besucher in den meisten Moscheen auch zu Iftar-Essen eingeladen, bei denen sie die Möglichkeit hatten, die segenreiche Atmosphäre des Ramadan erleben zu konnten.
Freitag 12. Oktober 2007
Grußbotschaft des Bundespräsidenten zum Ramadanfest
Bundespräsident
Horst Köhler: "Allen, die das Fest des Fastenbrechens begehen, sende
ich meine herzlichen Grüße und wünsche ihnen besinnliche Stunden,
Freude und Glück."
Für viele muslimische Familien ist das Fest des Fastenbrechens einer der Höhepunkte des Jahres. Viele Religionen kennen den Brauch des Fastens. Für gläubige Menschen ist die Fastenzeit eine Zeit des Verzichts und der Rückbesinnung auf das, was wesentlich für das eigene Leben ist. Diese Besinnung braucht jeder Einzelne, aber auch unsere Gesellschaft als Ganze tut gut daran, immer wieder neu über ihre Grundlagen nachzudenken: Was macht ein gutes Miteinander von Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Wurzeln aus? Was sind unsere gemeinsamen Werte? Wie wollen wir leben? Welche Welt wollen wir unseren Kindern hinterlassen?
Immer mehr Menschen erkennen, wie wichtig es ist, gemeinsam nach
Antworten
auf diese Zukunftsfragen zu suchen. Ich lade die Muslime in unserem Land und
ihre Gemeinden ein, sich an diesem Dialog zu beteiligen. Viele tun das bereits.
Das
ist gut so. Auf diesem Weg des Miteinanders dürfen wir uns auch durch Rückschläge
nicht entmutigen lassen.
Menschen aller Religionen streben danach, ihren Kindern eine gute Zukunft zu ermöglichen und sie gut auf ihr Leben vorzubereiten. Die wichtigste Vorbereitung auf ein gelingendes Leben ist eine gute Bildung. Bildung befähigt uns, unseren Lebensunterhalt selbst zu verdienen Sie stärkt unsere Urteilskraft und erleichtert den Dialog mit anderen Menschen – auch über religiöse Fragen. Deshalb ist es wichtig, dass alle Familien in Deutschland den Wert einer guten Bildung erkennen und ihre Kinder auf diesem Weg unterstützen. Die Sorge für unsere Kinder verbindet uns über die Grenzen der Religionen hinweg.
Allen, die das Fest des Fastenbrechens begehen, sende ich meine herzlichen Grüße und wünsche ihnen besinnliche Stunden, Freude und Glück.
Samstag 06. Oktober 2007
Moscheenstreit: „Lieber deutlich sichtbar als in Hinterhöfen versteckt“
Daniel Cohn-Bendit hat sich für deutlich sichtbare Moscheen ausgesprochen
„Mir ist es lieber, es gibt Moscheen, wo man hören kann, was die sagen“, sagte Cohn-Bendit bei einer Diskussionsveranstaltung zur geplanten Moschee in Frankfurt. Über die Vielfalt der Religionen in Deutschland dürfe nicht hinweggesehen werden. Die Menschen müssten „endlich aufhören, eine Religion für besser zu halten als die andere“.
Die Gesellschaft müsse sich vielmehr mit dem Islam auseinandersetzen, forderte Cohn-Bendit. Die Vehemenz, mit der im Zuge des Moscheebauprojekts gegen den Islam und den Koran gewettert wird, zeige, dass „Hassprediger“ ihr Unwesen nicht nur in muslimischen Gemeinden treiben, so der Europaparlamentarier.
Der Generalsekretär der Gemeinde, Ünal Kaymakci, betonte in der Veranstaltung, dass die Menschen lernen müssten, dass in Deutschland „eine neue Weltreligion ansässig geworden ist. Der katholische Theologe Peter Hünseler bestätigte ihn: Der Moscheenstreit in Frankfurt sei „eine Auseinandersetzung der hiesigen Bevölkerung mit der Ankunft des Islam“. Es müsse jedoch klar sein, „dass zur Religionsfreiheit auch die Möglichkeit gehört, ein Gotteshaus zu bauen.“ (sa)
Freitag 05. Oktober 2007
CDU wettert gegen den „Tag der offenen Moschee“ am 3. Oktober
„Wagner
hat offensichtlich nicht verstanden, was Innenminister Schäuble schon im
vergangenen Jahr erklärte: Dass nämlich der Islam Teil Deutschlands
ist und in Deutschland drei Millionen Muslime leben, die Teil der deutschen
Gegenwart und Zukunft sind“
Der „Tag der offenen Moschee” soll nach Ansicht der hessischen CDU nicht am „Tag der Deutschen Einheit” veranstaltet werden. Der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Christean Wagner, nannte die Terminwahl am Mittwoch in einer Pressemitteilung “unsensibel” und “unpassend”. Der 3. Oktober stehe für “eine friedliche Revolution, die Großes bewegt und unser geteiltes Land wieder zusammengeführt hat”. Deshalb dürfe dieser Tag nicht “durch andere bundesweite Aktionen bewusst oder unbewusst relativiert werden.“
Die Grünen haben auf die Äußerungen der CDU mit harscher Kritik reagiert. Der Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Hessischen Landtag, Tarek Al-Wazir, warf der CDU in Hessen vor, in der Vergangenheit geblieben zu sein. Man habe offensichtlich nicht verstanden, dass der Islam Teil Deutschlands ist und in Deutschland drei Millionen Muslime leben, die „Teil der deutschen Gegenwart und Zukunft sind“, so Al-Wazir.
Ferner sei es bemerkenswert, dass es Wagner erst dreieinhalb Monate vor der Landtagswahl auffällt, das der „Tag der offenen Moschee“ seit über elf Jahren am 3. Oktober stattfindet. Man befürchtet deshalb, dass auch in Hessen der Wahlkampf demnächst mit scharfen Attacken auf den Islam bestritten wird. (sa)
Donnerstag 04. Oktober 2007
Zwangsverheiratung ist ein Menschenrechtsthema
„Zwangsverheiratungen stellen eine schwere Menschenrechtsverletzung dar, die wir konsequent verhindern und bekämpfen müssen“
Unter der Überschrift „Zwangsverheiratung in Deutschland“ hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend den ersten wissenschaftlichen Forschungsband zum Thema Zwangsverheiratung veröffentlicht. Das Sammelband habe das Ministerium im Oktober 2006 in Auftrag gegeben, um die oft sehr kontrovers geführte Diskussion um Zwangsverheiratungen zu versachlichen.
Ministerin Ursula von der Leyen betont insofern, dass die Debatte um Zwangsverheiratungen nicht dazu führen darf, die in Deutschland lebenden Migrantinnen und Migranten zu stigmatisieren. „Denn selbstverständlich ist nicht jede junge Frau mit Migrationshintergrund in Deutschland von Zwangsverheiratung bedroht – die überwiegende Mehrheit der in Deutschland lebenden Migranten und Migrantinnen lehnt Zwangsverheiratung ausdrücklich ab“, bemerkt von der Leyen in ihrem Vorwort.
Das Band enthält Beiträge aus unterschiedlichen wissenschaftlichen und praxisbezogenen Perspektiven. So untersuchen die Autoren einerseits die Ursachen des Phänomens und andererseits werden juristische als auch präventive Interventionsmaßnahmen diskutiert. Das Sammelband beinhaltet auch Empfehlungen. Durch verbesserte Bildungs- und Berufschancen sollen beispielsweise Migrantinnen gestärkt werden, um sich leichter gegen eine Zwangsverheiratung wehren zu können. In den Migrantengemeinschaften müsse ferner Aufklärungsarbeit stattfinden. Es müsse in Zusammenarbeit mit den Selbstorganisationen deutlich gemacht werden, dass Zwangsverheiratungen insbesondere nach dem Koran verboten sind. (sa)