Mittwoch 24. Oktober 2007
Erneut zivile Tote bei Angriffen der NATO
Bei
Luftangriffen der NATO nahe der Hauptsstadt Kabul kamen 11 Mitglieder einer
Familie ums Leben.
Es wird berichtet, dass bei dem NATO-Luftangriff in Calrez, 30 Kilometer westlich von Kabul, nur ein Familienmitglied überlebte, das verwundet in ein Krankenhaus eingeliefert wurde und nicht in der Lage war zu sprechen. Der Präsident des Provinzparlaments, Haci Canan, gab in seiner Erklärung bekannt, dass sich unter den elf Toten auch Kinder und Frauen befanden.
Die NATO indes bestreitet, dass es zivile Opfer gegeben habe. Bei der Operation gegen Rebellen in der Provinz Vardak seien nach ersten Infomationen keine Zivilisten getötet worden. Der Nachricht, dass es zivile Opfer gegeben habe, werde man aber nachgehen.
Schätzungen afghanischer Stellen zufolge, sind bei Angriffen westlicher Mächte gegen die Rebellen in diesem Jahr mehr als 370 Zivilisten ums Leben gekommen. (am)
Montag 22. Oktober 2007
Aufruf zu muslimisch-christlicher Versöhnung und Zusammenarbeit
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muslimische Intellektuelle haben zum diesjährigen Fest des Fastenbrechens
einen gemeinsam unterzeichneten „Offenen Brief“ veröffentlicht.
Der Brief ist an alle christlichen Religionsoberhäupter gerichtet.
Die Gelehrten vergleichen in dem Brief ausgewählte Textstellen des Koran und der Bibel und kommen zu dem Schluss, dass beide „den Vorrang umfassender Liebe und Hingabe gegenüber Gott“ betonen. Ihr Appell an die Adresse der Christen in der Welt ist durch den folgenden Koranvers gelenkt: „Sprich: O ihr Leute des Buches, kommt her zu einem zwischen uns und euch gleich angenommenen Wort: dass wir Gott allein dienen und Ihm nichts beigesellen, und dass wir nicht einander zu Herren nehmen neben Gott. Doch wenn sie sich abkehren, dann sagt: Bezeugt, dass wir gottergeben sind [3:64].
Der Islam und das Christentum seien offensichtlich unterschiedliche Religionen. Die Unterschiede sollten jedoch nicht zu Konflikten führen, sondern ein Anlass sein „zum Wetteifern in den guten Dingen“, wie es im Koran heißt [5:48]. „Muslime und Christen gemeinsam stellen mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung dar. Ohne Frieden zwischen diesen beiden religiösen Gemeinschaften kann es keinen wirklichen Frieden in der Welt geben.“ Die Zukunft der Welt hänge deshalb vom Frieden zwischen Muslimen und Christen ab.
Die Reaktionen von christlicher Seite sind durchweg positiv. Der anglikanische Primas Rowan Williams begrüßte die Initiative der muslimischen Theologen als „klares Bekenntnis zum Potential für eine Verbesserung des Dialogs und gemeinsamen Handelns”. Der Dialog-Beauftragte des Papstes, Kardinal Jean-Louis Tauran, nannte den Brief ein „sehr ermutigendes Zeichen”.
Professor Adel Theodor Khoury, emeritierter Leiter des Seminars für Religionswissenschaft an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster, erklärte, dass es wohltuend sei, eine solche Stimme, wie diesen offenen Brief so vieler muslimischer Gelehrter und Wissenschaftler, zu hören. Eine Intensivierung des Dialogs und der Zusammenarbeit zwischen Christen und Muslimen auf breiter Basis sei ohnehin dringend notwendig. Khoury fragt zum Abschluss seines Kommentars, Warum es Muslimen und Christen nicht gelingen sollte, „im Geiste dieses neuen „Offenen Briefs“ eine Atmosphäre des Vertrauens zu schaffen, einen ehrlichen, von kritischer Sympathie getragenen Dialog zu führen und eine effektive Zusammenarbeit zu leisten, die ein Strahl dessen sein kann, der „die Liebe ist“ (1 Johannes 4,8.16), und ein Zeichen für das, was der Koran meinte, als er sagte, dass die Christen diejenigen sind, die den Muslimen „in Liebe am nächsten stehen“ [5:82]?“Als Theologe fordert Adel Khoury besonders die Verständigung zwischen Christentum und Islam.(sa)
Freitag 19. Oktober 2007
"Israels Politik fördert Antisemitismus"
Der
Politologe Alfred Grosser fordert in einem Interview mit der Wochenzeitschrift
„Stern“ das Unrecht beim Namen zu nennen: „Wenn Unrecht Unrecht
ist, muss man es benennen. Und sagen, dass gerade Israels Politik den Antisemitismus
fördert“.
Grosser erklärt in einem Interview mit Stefan Braun und Florian Gless, dass er schon aufgrund seiner Erfahrungen der Demütigung und Diskriminierung nicht akzeptieren will, dass Juden andere Menschen mit Verachtung behandeln. Auch in seinem Beitrag in der Internationalen Politik (IP) vom Februar erklärte Grosser, dass er es nicht verstehe, dass Juden sich das Recht nehmen, im Namen der Selbstverteidigung unbarmherzig Politik zu betreiben. Auf Dauer könne man mit Gewalt allein nicht regieren. „Solange Palästinenser an der Mauer gedemütigt werden, solange ein palästinensischer Staat unmöglich ist, weil die Siedlungen und die Straßen nur für Israelis sind, solange eine territoriale Kontinuität unmöglich ist, wird Israel nicht in Frieden leben“, sagte Grosser. Israel dürfe unter den Palästinensern nicht die Versuchung entstehen lassen, dass ein jugendlicher Attentäter sich als Held verstehen kann.
„Überhaupt, wenn Grundrechte verletzt und Menschen entwürdigt werden, dann ist es ein Grundelement unserer aller Ethik, dies anzuprangern“, betont der emeritierte Studien- und Forschungsdirektor an der „Fondation Nationale des Sciences Politiques“. Dies gelte auch für einen „jungen Deutschen“. Er teile in diesem Punkt Martin Walsers Kritik an der Auschwitz-Keule. „Ja, ich sehe diese Keule, die ständig gegen Deutsche geschwungen wird, falls sie etwas gegen Israel sagen. Tun sie es trotzdem, sagt die Keule sofort: "Ich schlage dich mit Auschwitz." Ich finde das unerträglich.“ Die Israelkritik per se mit Antisemitismus gleichzusetzen sei schließlich falsch und führe in die Irre. (sa)
Montag 08. Oktober 2007
OSZE-Konferenz über Intoleranz und Diskriminierung gegen Muslime
In
Cordoba/Spanien findet eine internationale Konferenz über Ursprung, Folgen
und Prävention der Diskriminierung von Muslimen statt.
In der spanischen Stadt Cordoba findet am 9. und am 10. Oktober im Palacio de Congresos de Cordoba die außerordentliche Konferenz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE) über Intoleranz und Diskriminierung gegen Muslime unter dem Vorsitz des spanischen Außenministers Miguel Angel Moratinos statt.
Das Ziel der Versammlung ist es, die Ursprünge der Intoleranz und Diskriminierung gegen Muslime aufzuklären, ihre Folgen zu diskutieren und herauszufinden, welche Rolle die Medien dabei spielen. Unter anderem wird besprochen, wie Bildung dabei helfen kann, diese Art von Intoleranz zu überwinden. In Diskussionen werden Möglichkeiten der Prävention von Intoleranz und Diskriminierung gegen Muslime behandelt und ein positives Klima gefördert, wodurch Anhänger verschiedener Glaubensrichtungen in Harmonie zusammen leben können.
Teilnehmer und Referenten der Konferenz sind unter anderem Vertreter der 56 OSZE Staaten, internationale Organisationen und Repräsentanten von Nichtregierungsorganisationen. Auch Vertreter der IGMG werden an der Konferenz teilnehmen.
Vorangehend versammeln sich am 8. Oktober in der Stadt Jaen wichtige Vertreter ziviler Organisationen bei der NGO preparatory meeting, eine vorbereitende Sitzung zu der Konferenz in Cordoba. (sa)
Freitag 05. Oktober 2007
Hungersnot in Somalia
Bundeskanzlerin Merkel fordert auf ihrer Afrika-Reise mehr europäisches Engagement
Den
Angaben des Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) zufolge
hat sich in Somalia die Ernährungslage seit Juli 2007 drastisch verschlechtert.
Es seien inzwischen schätzungsweise 300.000 Personen von der Hungersnot
betroffen. Die Hungersnot sei einerseits durch Vertreibungen und andererseits
durch die schlechteste Ernte seit 13 Jahren bedingt. Dadurch hätten die
Preise für viele Einheimische unerreichbare Höhen erreicht. „Familien
bekommen nicht das Essen, das sie brauchen, entweder weil sie es sich nicht
leisten können oder weil es dort, wo sie sind, keines gibt. Sie müssen
auf Unterstützung hoffen“, sagte Smerdon, Sprecher des WFP.
Bundeskanzlerin Merkel hat insoweit den humanitären Charakter ihrer Afrika-Reise hervorgehoben und sich zu den Defiziten in den europäisch-afrikanischen Beziehungen bekannt. Die Europäer hätten sich in den vergangenen Jahren zu wenig um Afrika gekümmert. „Europa muss mehr tun“, verlangte sie am Donnerstag in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Sie verlangte aber auch die Einhaltung der Menschenrechte. Die Kanzlerin wird auf ihrer Reise von Entwicklungsministerin Wieczorek-Zeul (SPD) begleitet. (sa)
Freitag 05. Oktober 2007
Sarkozy: „Ich werde die Rechte der Muslime schützen“
Bei einem Iftar-Essen in der Großen Moschee in Paris sprach Sarkozy seine Zusicherung zu den Rechten von Muslimen aus
Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy nahm an einem Iftar-Essen in der Pariser Großen Moschee unter strengen Sicherheitsvorkehrungen teil, das vom Vorsitzenden des Französischen Rates der Muslime, Dalil Boubakeur, organisiert wurde.
Sarkozy gratulierte den Muslimen in Frankreich dazu, ihre Religion im Einklang mit den Gesetzen der Republik zu leben. Er kritisiere diejenigen Personen, die im Namen des Islam extremistische Handlungen aufweisen, die Gesetze Frankreichs außer Acht lassen, Morde begehen, Hass gegen andere Religionen schüren und diskriminierende Haltung einnehmen würden. Dennoch glaube er nicht an eine Beziehung zwischen diesen Extremisten und den sechs Millionen Muslimen in Frankreich.
Für die Extremisten, die das friedliche und tolerante Leben der Muslime in Frankreich nicht ertragen können, werde Frankreich keine Heimat sein, so Sarkozy weiter.
In der Hinsicht hätten Religionsbeauftragte und Imame große Verantwortung. Der Frieden und die Toleranz sollten häufiger von ihnen gepredigt werden, fügte Sarkozy hinzu. Der französische Staatspräsident, der für den Erhalt des Friedens und des interreligiösen Dialogs appellierte, versprach den Muslimen den Beibehalt ihrer Rechte. Im Gegenzug verlange er jedoch von Muslimen, dass sie sich bei der Ausrichtung der Dienste auf seiner Seite befinden.
Beim Verlassen der Moschee wurde indes Sarkozy von einer Frau überrascht, die ihn als Rassist beschimpfte. (ab)
Mittwoch 03. Oktober 2007
USA beherrschen den Waffenhandel
Zusammen
kontrollieren die USA, Russland und Großbritannien mehr als 71 Prozent
des globalen Waffengeschäfts
Aus dem Jahresbericht des US-Kongresses zum internationalen Waffenhandel geht hervor, dass die USA im vergangenen Jahr das weltweite Geschäft mit Waffen dominiert haben. Fast 42 Prozent aller verkauften Waffen stammten aus den USA, heißt es im Bericht.
Die Vereinigten Staaten sind auch wichtigster Waffenlieferant für Entwicklungs- und Schwellenländer, wie Pakistan, Indien und Saudi-Arabien. US- Rüstungskonzerne sollen im vorigen Jahr auf diesem Markt Waffen im Wert von 10,3 Milliarden US-Dollar (7,3 Milliarden Euro) verkauft haben, so die „New York Times“ am Montag.
Dem Bericht zufolge kontrollierten die USA, Russland und Großbritannien im Jahre 2006 zusammen über 71 Prozent des internationalen Waffengeschäfts. Die Nachfrage bei den westeuropäischen Herstellerländer Frankreich, Deutschland und Italien sei im vergangenen Jahr gesunken. (sa)
Mittwoch 03. Oktober 2007
Türkeibevölkerung für Kopftuch-Freiheit an Schulen
73,7 Prozent der Befragten sind dafür, Kopftücher an den Universitäten des Landes zuzulassen
Der private türkische Fernsehsender „Kanal D“ veröffentlichte vergangenen Donnerstag eine Umfrage, wonach drei von vier Türken sich gegen das Kopftuchverbot an Schulen aussprechen. Der Umfrage nach sind 73,7 Prozent der Befragten der Meinung, dass das Kopftuch-Verbot abgeschafft werden muss. 26,3 Prozent forderten hingegen eine Beibehaltung des Verbots.
Das Kopftuch ist an türkischen Universitäten verboten, da es ein politisches Symbol sei, wodurch der Laizismus gefährdet werde. Rund 70 Prozent der Befragten sehen das jedoch anders. Das Kopftuch sei kein politisches Symbol, so die Ergebnisse der Umfrage. Auch das Kopftuch der neuen Präsidentengattin Hayrünnisa Gül sei unproblematisch. 51 Prozent der Wahlberechtigten sind ferner der Meinung, dass Frau Gül ihren Mann zu offiziellen Terminen begleiten sollte. (sa)