26.09.2006 Nachrichten>Deutschland
Bundespräsident Köhler fordert höhere Staatsausgaben für das Bildungssystem
Köhler: „Ich finde es wichtig, dass auch in der Schule die Frage nach Gott gestellt wird“

Bundespräsident Horst Köhler forderte in seiner „Berliner Rede“ in der Kepler-Oberschule in Berlin-Neukölln verpflichtende Sprachprüfungen vor Schuleintritt, einen Islamunterricht auf Deutsch und höhere Staatsausgaben in der Bildungs- und Schulpolitik. Außerdem sprach er sich für ein kostenfreies letztes Kindergartenjahr aus. Köhler sagte, dass eine qualifizierte Schulbildung unerlässlich für berufliche Chancen und für die Integration von ausländischen Jugendlichen in die Gesellschaft sei: „Darum werde ich immer auf der Seite derer sein, die leidenschaftlich eintreten für eine Gesellschaft, die offen und durchlässig ist und dem Ziel gerecht wird: Bildung für alle.“

Köhler beklagte, dass in diesem Jahr 80.000 Jugendliche die Schule ohne Abschluss verließen und 30.000 Ausbildungsplätze fehlten. „Ein Kind aus einer Facharbeiterfamilie hat im Vergleich zu dem Kind eines Akademikerpaares nur ein Viertel der Chancen, aufs Gymnasium zu kommen. Der Befund ist beschämend“, sagte der Bundespräsident.

Die Bildung sei zudem wichtig für die Stabilität der demokratischen Verhältnisse und somit „eine Sache des ganzen Volkes“. Zur Bildung gehörten aber nicht nur Wissensvermittlung, sondern auch die Regeln für den menschlichen Umgang, wie zum Beispiel Respekt, Rücksichtnahme, Manieren und das Wissen um Rechte und Pflichten.

Des Weiteren sagte Köhler: „Ich finde es wichtig, dass auch in der Schule die Frage nach Gott gestellt wird. Deshalb halte ich den Religionsunterricht für unverzichtbar. Das gilt natürlich auch für den Islam. Ich halte es für überfällig, dass in unseren Schulen den Kindern muslimischen Glaubens von gut ausgebildeten Lehrern und in deutscher Sprache Islamunterricht angeboten wird.“

In seiner Rede forderte Köhler auch die Einführung verpflichtender Sprachprüfungen, weil gute Deutschkenntnisse unersetzlich für den Bildungserfolg seien. Er sagte, dass deutsche Jugendliche doppelt so große Chancen für eine qualifizierte Ausbildung hätten als Jugendliche ausländischer Herkunft. 40 Prozent von ihnen hätten keine abgeschlossene Berufsausbildung.

Der Bundespräsident kritisierte, dass der Anteil der Staatsausgaben für das Bildungssystem nur bei zehn Prozent liege. Bei Ausgaben für allgemeinbildende Schulen liege Deutschland unter dem Durchschnitt der OECD-Ländern. Köhler erklärte, dass Problem könne nicht durch Umschichtungen innerhalb der Bildungsausgaben behoben werden: „Wir brauchen angemessene Finanzmittel für alle Bereiche des Bildungssystems, denn unsere Bildungsausgaben sind insgesamt zu niedrig.“ (hv)

 


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