29.09.2006 Freitagspredigt
Hutba- Ramadan: Monat des Korans und der Solidarität

Verehrte Muslime,

wir haben fast die erste Woche des segenreichen Monats Ramadan hinter uns, der Monat dessen Verdienst und Nutzen sehr hoch ist. Ich wünsche euch nochmals einen gesegneten Ramadan! Wir müssen alle Tage und Nächte des Monats gut ausnutzen und diese mit zusätzlichen Gebeten und Wohltaten verbringen. Denn dieser Monat ist eine Zeit, in der wir mit besonderer Hingabe an Allah viel für das Jenseits gewinnen können.

Unser Prophet (saw) sagt dazu: „Wer das Fasten im Ramadan gläubig und nur für Allah vollzieht, dem werden seine vergangenen Sünden getilgt. ” ( Nasai, Iman)

„ Der Beginn des Ramadan ist Barmherzigkeit, die Mitte Vergebung und sein Ende die Befreiung von der Hölle. Wer in diesem Monat die Arbeit eines anderen erleichtert, dem vergibt Allah und rettet ihn vor dem Höllenfeuer.“

„ Wenn der Ramadan beginnt, werden die Tore der Himmel geöffnet, die der Hölle geschlossen und die Teufel in Ketten gelegt.” (Buchârî)

Liebe Brüder und Schwestern,

ein anderer wichtiger Punkt, warum dieser Monat so gesegnet ist, ist der, dass die Offenbarung des Korans in diesem Monat anfing. Im Koran heisst es: „Es ist der Monat Ramadan, in welchem der Koran als Rechtleitung für die Menschen und als Beweis dieser Rechtleitung und als Maßstab herabgesandt wurde.“(Bakara 185).

Aus diesem Grund haben der Gesandte Allahs und seine Gefährten im Ramadan den Koran am meisten rezitiert und über seine Verse nachgedacht. Unser Prophet (saw) hat sogar im Dasein vom Erzengel Gabriel die Koranverse, die bis zu diesem Zeitpunkt offenbart wurden, wiederholt, darüber diskutiert und sie erörtert.

Seit Jahren wird dieser Brauch des Propheten (saw), der “Muqabala“ genannt wird, in den Moscheen fortgeführt. Deshalb sollten wir, auch wenn wir uns nicht an den Koranlesungen in den Moscheen beteiligen können, zu Hause mit unserer Familie den Koran lesen und versuchen, ihn besser zu verstehen, damit wir ihn verinnerlichen und als Maßstab für unsere Lebensführung nehmen können.

Verehrte Geschwister,

dieser Monat ist zugleich der Monat, in dem die islamische und zwischenmenschliche Solidarität ihren Höhepunkt erreicht. Wir sehen aus dem beispielhaften Leben unseres Propheten (saw), dass er sowohl die körperlichen Pflichten des Ramadans, als auch die finanziellen Aufgaben erfüllt hat. Die Gefährten des Propheten (saw) berichteten, dass der Prophet (saw) von allen der großzügigste war und im Monat Ramadan diese Seite von ihm ganz besonders zum Ausdruck kam. Auch seine Gefährten waren in diesen Monat am freigiebigsten und verrichteten in diesem Monat die meisten Gottesdienste. Vor allem aber verbrachte der Prophet (saw) die letzten zehn Tage des Ramadan in ständigen Gebeten. (Muslim, Itikaf 7)

Dieser Monat ist der Monat der Geduld, der Wohltat und des Segens. Es ist der Monat, in dem Allah seine Gaben und Geschenke vermehrt. Auch wird überliefert, dass das Speisen von Fastenden die Sünden tilgen und vor der Hölle bewahren wird. Außerdem erlangt derjenige, der den Fastenden speist, die gleiche Belohnung wie der Fastende. Wo wir leben, sind zwar keine Armen und Bedürftigen, doch haben wir unsere Freunde und Verwandten. Deshalb ist es auch ein besonderer Segen, unsere Iftar-Essen mit ihnen zu teilen. Dabei dürfen wir natürlich nicht die Hungrigen und Bedürftigen in den ärmeren Ländern vergessen. Ihnen können wir helfen, indem wir den humanitären und sozialen Organisationen unseren Beitrag leisten. So fügen wir unserem Fasten noch zusätzlich das Sadaka Gebet hinzu.

Unsere Organisation ist eine dieser wichtigen sozialen Einrichtungen. Sie bietet die Möglichkeit, die Hilfen und Spenden direkt in die Kriegs- und Krisengebiete zu versenden und vor Ort Hilfe zu leisten. So bieten wir in diesem segenreichen Monat unseren Geschwistern in Not unsere Solidarität an.

Liebe Geschwister,

ich möchte noch einmal betonen, dass wir im Monat Ramadan unsere eigenen Wohnungen wie die Moscheen mit dem Licht des Korans erhellen sollen. Vor allem sollten wir viel über die Bedeutung der Verse nachdenken. Denn der Koran ist ein Wegweiser für unser Leben, der uns von allem Unheil bewahrt und uns ein glückliches Leben bietet. Mögen unsere Herzen mit seinem Licht den Frieden finden. Nehmen wir für das Wohl der Bedürftigen die Kampagnen für die Zekat- und Fitra-Abgaben in Anspruch und verpassen wir nicht die Gelegenheit, Allahs Wohlwollen zu erlangen. Realisieren wir den Ramadan im wahrsten Sinne als der Monat des Korans und der Solidarität.


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