24.09.2007 Nachrichten>Deutschland
Bildungsbenachteiligung bei Migranten
Mindestquote für Studenten aus bildungsfernen
Schichten gefordert
Die vor kurzem veröffentlichte OECD-Studie „Bildung auf einen Blick 2007“ belegt, dass die Bundesrepublik Deutschland eine erheblich ungünstige Qualifikationsstruktur von Migranten im Vergleich zur übrigen Bevölkerung aufweist. Der Bildungserfolg junger Menschen hänge in Deutschland zudem sehr stark von ihrer sozialen Herkunft ab.
Die Integrationsdefizite im Bereich Bildung und Hochschule seien auch im „europäischen Jahr der Chancengleichheit für alle 2007“ unübersehbar. „Dies ist ein Grund für die schlechteren Arbeitsmarktergebnisse von Migranten - jedoch nicht der einzige, denn auch hoch qualifizierte Migranten tun sich in Deutschland auf dem Arbeitsmarkt schwer“, zitiert „Spiegel-Online“ die Studie „Jobs for Immigrants - Labour Market Integration in Australia, Denmark, Germany and Sweden“.
Daher nimmt Lord Ralf Dahrendorf, Soziologe und ehemaliger Staatssekretär im Auswärtigen Amt sowie Mitglied der EU- Kommission, die Bildungsbenachteiligung zum Anlass, die bestehenden Programme zu evaluieren. Neben dem Ausbau von Betreuungsangeboten für Studierende mit Migrationshintergrund, Sprachförderprogramme und die Forcierung von Migrations- und Integrationsforschung müsse zusätzlich die sogenannte „affirmative action“, also eine Quote für Kinder der betroffenen Kategorien an den Hochschulen, eingeführt werden. Es sei „allerdings wichtig, dass solche Maßnahmen nur für eine begrenzte Periode eingeführt werden. Es handelt sich um die Bekämpfung von Anomalien durch nicht normale Programme“, sagte Dahrendorf „Spiegel-Online“ gegenüber. „Mit Quotenregelungen, mit starren Vorgaben überhaupt, habe ich ein Problem, weil sie den Geförderten oftmals mehr schaden als nutzen“, erklärte hingegen die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz Prof. Dr. Margret Wintermantel.
Dabei muss erwähnt werden, dass Studenten und Akademiker zunehmend ausländische Universitäten bevorzugen. Unter den Promovierten sei die Quote der Auswanderer besonders hoch. (sa)