Donnerstag 25. September 2008
Musliminnen mit hohem Bildungsgrad werden öfter diskriminiert

Einem Bericht der österreichischen Tageszeitung „Die Presse“ zufolge hat sich die Zahl der Musliminnen in Österreich, die sich darüber beschweren, wegen ihres Kopftuches im Berufsleben diskriminiert zu werden, enorm gesteigert. Grund dafür sei, dass Musliminnen der zweiten und dritten Generation langsam in „sichtbarere“ Berufe vordringen. Dort entstünden dann eher Diskriminierungen, als es beispielsweise bei geringfügigen Tätigkeiten im Haushalt der Fall ist.
Der österreichische Gesetzgeber hatte sich 2004 dazu entschlossen, die Antirassismus- und Gleichbehandlungsrahmenrichtlinien der EU in die bereits geltenden Gleichbehandlungsgesetze zu integrieren. Das Bundesgesetz über die Gleichbehandlung enthält in Teil II die Antidiskriminierungsbestimmungen über die Gleichbehandlung in der Arbeitswelt aus Gründen der ethnischen Zugehörigkeit, des Alters, der Religion oder Weltanschauung und der sexuellen Orientierung. Grundsätzlich darf in Österreich deshalb niemand wegen seiner Religion oder Weltanschauung im Berufsleben benachteiligt werden. Wenn ein Arbeitgeber eine Bewerberin nicht aufnimmt, weil sie ein Kopftuch trägt, handelt er rechtswidrig und kann auf Schadenersatz geklagt werden.
Den Anstieg der Beschwerden erklärt Barbara Kussbach von der im Bundeskanzleramt angesiedelten Gleichbehandlungsanwaltschaft unter anderem damit, dass das Gleichbehandlungsgesetz erst 2004 in Kraft getreten ist und eine gewisse Anlaufphase gebraucht habe. Kussbach räumt in diesem Zusammenhang auch ein, dass es eine enorme Dunkelziffer bei den Diskriminierungen gibt. Die Politologin Rosenberger ist der Auffassung, dass der Anstieg der Beschwerden mit dem allgemeinen gesellschaftlichen Aufstieg von Musliminnen korreliere. Durch höheren Bildungsgrad seien sie in immer sichtbareren Positionen präsent. Das werde sich auch in den kommenden Jahren fortsetzen. (ba)
Donnerstag 18. September 2008
Kopftuch tragende Frauen in Frankreich halten ihre Erfahrungen in einem Buch
fest

Wegen des Kopftuches benachteiligte junge Musliminnen in Frankreich veröffentlichen ihre Lebensgeschichten in einem Buch mit dem Titel „Les filles voilées parlent“ (Kopftuchtragende Frauen berichten)
In einem neu publizierten Buch in Frankreich berichten drei Autorinnen über ihre eigenen Erfahrungen und Probleme, die sie wegen ihres Kopftuches erlebten. Das Buch thematisiert insgesamt 44 Lebensgeschichten von Opfern, die wegen ihres Kopftuches unter anderem des Studiums verwiesen worden sind.
Ismihane Chouder, Malika Latrèche und Pierre Tevania, die drei Autorinnen des Buches, die zudem in verschiedenen gemeinnützigen und ehrenamtlichen Zivileinrichtigungen tätig sind, bieten anderen muslimischen Frauen an, über ihre negativen Erfahrungen und Benachteiligungen wegen des Kopftuches zu schreiben und möchten somit anderen Opfern wie sie ein Sprachrohr schaffen.
Doch sie zum Reden und Erzählen zu bewegen, sei am Anfang gar nicht so leicht gewesen. Viele hätten sich nämlich davor geschämt, in einer Opferrolle dazustehen. „Ich wusste, dass ich heftiger Kritik ausgesetzt sein würde, indem ich die Situation schilderte, in der ich mich befand. Doch es gab für mich kein Zurück mehr. So entschied ich mich wie die anderen dafür, mich für meine Rechte einzusetzen, anstatt still in einer Ecke zu sitzen“, schildert Ismihane die äußerst schwierige Situation und Überwindung, die sie beim Verfassen des Buches gekostet hat.
Das Buch kritisiert vor allem das Verbot des Schulbesuchs für muslimische Frauen, nur weil sie ein Kopftuch tragen. Dass dieses Problem in Frankreich herrsche, wo man glaube, Laizismus und Demokratie seien auf einem höchsterreichbaren Niveau angelangt, schrecke Menschen um so mehr ab, so die Autoren.
Das Buch, dass sich nicht als ein Forschungswerk versteht, schildert, dass muslimische Schülerinnen und Studentinnen nicht nur der Kritik und Diskriminierung von Schulen ausgesetzt sind, sondern verletzende Worte, ja sogar diskriminierende und hasserfüllte Worte wie „Kehr zurück in deine Heimat“ oder „Kehr zurück in deine Küche“ aus allen Teilen der Gesellschaft hören.
Das Buch verfolge im eigentlichen den Zweck, einen Gemeinsinn mit den anderen Leidensgenossinnen herzustellen, die das Problem mit ihnen teilen. Erzählerinnen des Buches kritisieren vor allem aber auch, dass ihnen kein Mitspracherecht zu dem leidigen Thema Kopftuch erteilt wird. Dies sei ein Paradox, gerade weil sie die benachteiligten Opfer sind. Alle drei Autorinnen stimmen sich überein, dass diese Anschuldigungen auf rassistischen Hass zurückzuführen sind. Rechtskräfte, die das Kopftuch in den Schulen verbieten, würden sich hinter den vermeintlichen Beweggründen wie Kampf gegen den religiösen Fanatismus oder der Ghettoisierung, oder aber auch die Unterdrückung der Frau durch Verschleierung verschanzen. Das im Jahre 2004 erlassene Gesetz zum Kopftuchverbot stelle ein Paradox dar; insofern, dass es einerseits die strikte Trennung des Staates und der Religion sowie Gleichberechtigung der Frau unterstreiche, andererseits Hass gegen den Anderen schüre sowie die ohnehin benachteiligten Minderheiten unterdrücke.
Im Buch unterstreichen die jungen Musliminnen, dass es keinen Unterschied zwischen dem Verbot des Kopftuches und dem Zwang zum Tragen bestehe. Das Erstere würde verbieten, dass man das Kopftuch trägt, und das Letztere, dass man es ablässt.
Die Autorinnen, die ausschließlich das Gesetz zum Kopftuchverbot und die damit verbundene Diskriminierung und Ungerechtigkeit in der Arbeitswelt und in den Schulen kritisieren, rufen am Ende jeden Leser dazu auf, sie bei ihrer Gerechtigkeitssuche zu unterstützen. Sie unterstreichen außerdem, dass sie sich als ein Teil des französischen Volkes fühlen und auch so akzeptiert werden wollen. „Französischen Frauen das Tragen des Kopftuches zu verbieten, zeigt das Unwissen und das Vorherrschen der Vorurteile derjenigen, die die muslimische Frau nicht kennen und auch nicht kennen wollen“, wird die prekäre Lage der jungen kopftuchtragenden muslimischen Frauen in Frankreich zusammengefasst.
Das Buch besteht aus fünf Kapiteln unter den Titeln „Wenn Gymnasien ihre eigenen Schüler wählen“, „Ungeliebte Mütter“, „3. Stadium des Schulverweises“, „Kehr zurück in deine Küche!“, „Unmöglicher Bürger“. (ab)
Donnerstag 18. September 2008
Amerikanisch-muslimischer Führer der Nation of Islam verstorben

Führer der afro-amerikanischen Organisation „Nation of Islam“, Warith Deen Mohammed, starb mit 74 Jahren im US-Staat Michigan.
Nach dem Tod seines Vaters Elijah Muhammed, dem Gründer der Nation of Islam und deren Vorsitzender in der Zeit von 1934 bis 1975, übernahm sein Sohn Warith Deen Mohammed die Führung der afro-amerikanisch muslimischen Organisation.
Während seiner Führungszeit weichte er zusehends von der Linie seines Vaters ab und strebte nach dem sunnitischen Islam eine Glaubensbruderschaft mit allen anderen ethnischen muslimischen Gruppen. Mit der Zeit gehörten der Organisation dadurch über eine Million Mitglieder aus verschiedener Herkunft an.
Da sich W.Deen Mohammed von der Doktrin seines Vaters trennte spaltete sich die Nation of Islam in zwei Teile. Sein Vater hatte in seinen Botschaften vor allem die Rasse der Afro-Amerikaner hervorgehoben. Nach dieser Kursänderung benannte der Sohn Mohammed die Bewegung um in „American Muslim Mission“ und führte so seine Anhänger dem sunnitischen Islam näher.
Für viele Theologen und Gelehrte der islamischen Geschichte in den USA bedeutete diese Art der Änderung ein Neubeginn der afro-amerikanischen muslimischen Bewegung in Amerika und eine Annäherung zum wahren Glauben des Islam.
Warith Deen Mohammed, zugleich Freund des legendären Muslims in Amerika Malcolm X, war unter anderem beim Vorstand der Organisation „The Mosque Cares“, die sich für den Erhalt der Moscheen einsetzt. Er wurde auch als der erste Muslim bekannt, der während der Amtszeit des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton am nationalen Gebetstag vor dem Senat ein Gebet aussprach. (ab)
Donnerstag 11. September 2008
Srebrenica-Klage zurückgewiesen

Das Landgericht in Den Haag hat am Mittwoch die Klage von zwei bosnischen Familien zurückgewiesen, die dem niederländischen Staat vorwerfen, seine UN-Soldaten hätten während des Massakers in Srebrenica die bosnischen Muslime nicht vor der serbischen Armee beschützt.
Die niederländischen Blauhelme seien durch ihr Fehlverhalten mitverantwortlich für den Tod von mehreren tausend muslimischen Flüchtlingen, so die Auffassung der Kläger. Das Massaker sei nur möglich gewesen, weil die muslimischen Flüchtlinge den niederländischen Soldaten vertraut und dadurch keinen Widerstand geleistet hätten. Bei Klageeinreichung sagte die niederländische Anwältin Liesbeth Zegveld, die die Angehörigen der Opfer vertritt, dass die niederländischen Blauhelme darüber informiert waren, dass die Serben die muslimischen Männer von ihren Frauen trennten und den Männern die Ermordung drohte.
Die Richter begründeten Ihre Entscheidung mit der Weisungsgebundenheit des niederländischen Militärs. Dieser haben in Bosnien auf Weisung und mit Mandat der UN agiert. „Der Staat kann nicht für Aktionen von Dutchbat zur Verantwortung gezogen werden“, so der Vorsitzende Richter Hans Hofhuis bei der Urteilsverkündung. Dasselbe Gericht hatte im Juli die UN freigesprochen, da sie durch ihre Charta vor juristischer Verfolgung geschützt sei. Die Kläger kündigten nun an, in Berufung zu gehen und alle Möglichkeiten bis zur höchsten Instanz auszuschöpfen. (sa)
Mittwoch 10. September 2008
Erneute Unruhen in Kaschmir
Bei
Demonstrationen für die Unabhängigkeit des Kaschmirs und des eintägigen
Streiks für den Wahlboykott in Kaschmir schossen indischen Sicherheitskräfte
auf die Demonstranten. Dabei wurden mindestens 55 Muslime verletzt.
Laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Reuters und Augenzeugenberichten zufolge schossen indische Sicherheitskräfte mit Gummigeschossen und Tränengas auf muslimische Demonstranten und verletzten dabei mindestens acht Menschen, die die bevorstehende Wahl in Kaschmir protestierten. Die Demonstranten forderten die umgehende Beendigung der Wahlverhandlungen der indischen Wahlkommission in Kaschmir. „Eine Wahl ist keine Lösung für die Lage in Kaschmir. Daher müssen die Wahlverhandlungen Indiens sofort beendet werden“, so einer der Organisatorren Ali Shah Geelani.
In einer Pressemitteilung teilte ein weiterer Organisator der Demonstration, Mirwaiz Umar Faruk, mit, dass die indische Regierung das Volk in Kaschmir zu Unruhen anstifte, um sie als Terroristen zu diffamieren. Mit dieser Einstellung gefährde Indien stets das friedliche Leben der Menschen in Kaschmir.
Indische Regierung erschwert das Leben der Menschen in Kaschmir
Indische Soldaten hatten am 11. August einen führenden Funktionär in Kaschmir, Scheich Abdelaziz, bei einer Demonstration für die Unabhängigkeit Kaschmirs getötet. Beim Bestattungszug von Abdelaziz wurden weitere 25 Menschen vom eröffneten Feuer der indischen Soldaten getötet und viele andere verletzt. Daraufhin verhängte die indische Regierung eine Ausgangssperre in Kaschmir, die das Leben in Kaschmir stark erschwerte. Die Ausgangssperre wurde bis auf Weiteres verlängert, als muslimische Einwohner gegen die Erlaubnis der Regierung protestierten, auf einem Landstück in der Nähe eines hinduistischen Heiligtums zeitweise eine Unterkunft für Pilger einzurichten.
Laut einer Meldung der Nachrichtenagentur AFP wurde sodann eine Person von indischen Soldaten getötet, als dieser die Sperre durchbrach und auf die Straße wollte. Daraufhin folgten viele dem Streikaufruf. Viele Läden blieben geschlossen und der öffentliche Busverkehr ruhte.
Ein weiterer Fall sorgte bei Muslimen ebenfalls für Entrüstung: Gegen einen der muslimischen Unabhängigkeitsführer in Kaschmir, Shabir Shah, wurde ohne eine gerichtliche Verhandlung zwei Jahre Freiheitsstrafe verhängt.
Bei den zwei Monate andauernden Unruhen sind bislang mindestens 36 Menschen getötet und mehr als 1000 verletzt worden. (ab)
Donnerstag 04. September 2008
Elfjähriger Friedensprozess in den Philippinen vorerst beendet
Die philippinische Regierung teilte mit, dass die Friedensgespräche mit der Moro Islamischen Befreiungsfront (MILF) vorübergehend eingestellt sind.
Laut einem philippinischen Regierungssprecher sind die Verhandlungsgespräche mit der MILF eingestellt. Dies sei durch den jüngsten Angriff einiger MILF-Mitglieder auf die Zivilisten auf der südlichen Insel Mindanao beschlossen worden.
Derweil ordnete die philippinische Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo an, dass der Vertrag des sogenannten MoA-AD (Memorandum of Agreement on Ancestral Domain, Memorandum zur Vereinbarung über eine Heimstätte) nicht unterschrieben wird. Am 5. August waren sich die philippinische Regierung und die MILF einig, dass im Süden Malaysias eine Heimstätte für vier Millionen Muslime vereinbart wird. Unterdessen erhöht sich die Zahl der Toten bei den gegenseitigen Gewaltangriffen zwischen den philippinischen Soldaten und der MILF-Kämpfer auf 200.
Die Regierung bemüht sich seit 1997 mit der MILF zu vereinigen, um den Gewaltsausbrüchen ein Ende zu setzen, bei der bislang 120 000 Menschen getötet und zwei Millionen aus ihrer Heimat vertrieben worden sind. Malaysia fungiert seit 2001 als Vermittler bei den Friedensgesprächen. (ab)
Donnerstag 04. September 2008
Zivilisten bei NATO-Einsatz in Pakistan getötet
Bei
einem Angriff der NATO-Schutztruppe aus Afghanistan im Nordwesten Pakistans
sind nach pakistanischen Angaben mindestens 20 Zivilisten getötet worden,
darunter Frauen und Kinder.
Dabei hätten von Hubschraubern abgesetzte Soldaten den Angriff am Boden durchgeführt. Augenzeugen berichten, dass die Soldaten ein Haus gestürmt hätten, in dem zehn Bewohner ums Leben gekommen sind. Nachdem andere Dorfbewohner in Panik ihre Häuser verließen, hätten die Soldaten in die Menge geschossen. Dabei seien mindestens weitere zehn Menschen getötet und mehrere verletzt worden.
Das US-Militär hatten auch zuvor mehrfach Luftangriffe auf vermeintliche El-Kaida-Lager in Pakistan verübt. Auch dabei waren immer wieder Zivilisten getötet worden.
Ein Außenamtssprecher Pakistans bezeichnete die Militäraktion als „nicht akzeptabel“. Er verletze die Souveränität Pakistans. Der amerikanische Botschafterin in Islamabad, Anne W. Patterson, sei deshalb eine Protestnote gegen die Militäraktion übergeben worden, so der Sprecher. Ein Sprecher der NATO sagte, dass ihm keine Informationen über einen Angriff in Pakistan vorliegen. Der Sprecher der US-geführten Truppen wollte sich laut Medienberichten nicht dazu äußern. (sa)